Chris Carter IM INTERVIEW (DER LANDBOTE)

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KABUL. Chris Carter war Minister in Neuseeland. Nun setzt er sich im Auftrag der Uno für die Verbesserung der lokalen Verwaltung in Afghanistan ein. Trotz der Gefahr schätzt er seine Arbeit ausserordentlich.

INTERVIEW: PHILIPP HUFSCHMID

Als technischer Chefberater und Leiter des Afghanistan Sub-National Governance Programme (ASGP) des Uno- Entwicklungsprogramms (UNDP) sind Sie in Kabul stationiert. Wie gefährlich ist das Leben dort?

Chris Carter: Gewalt ist in Afghanistan allgegenwärtig. Die Uno stuft das Land als gefährlichen Standort ein. Uno-Mitarbeitern ist es – wie etwa im Kongo oder in Somalia auch – nicht erlaubt, Partner oder Kinder nach Afghanistan mitzunehmen. Die Sicherheitsrisiken können aber minimiert werden und ich habe eine sehr befriedigende Aufgabe. Ich arbeite mit sehr fähigen und erfahrenen Uno-Mitarbeitern sowie einer Reihe afghanischer Regierungsvertreter zusammen, die bei der Umsetzung unseres Programms helfen und sich um die Sicherheitsrisiken kümmern.

Gab es gefährliche Situationen?

Ich bin bisher nicht verletzt oder direkt angegriffen worden. Allerdings war ich schon in befestigten Lagern, die angegriffen wurden. Eine sehr gefährliche Situation erlebten einige meiner Mitarbeiter, als ein Selbstmordattentäter ihre bewachte Wohnanlage angriff. Zum Glück ist ihnen nichts passiert.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen in Kabul aus?

Zusammen mit anderen Uno-Mitarbeitern lebe ich in einem kleinen traditionellen Haus innerhalb eines bewachten Grundstücks in Kabul. Wie bei den meisten internationalen Mitarbeitern steht auch bei mir die Arbeit im Mittelpunkt – sieben Tage die Woche. Denn die Arbeit verlangt vollen Einsatz, während es ohnehin nur wenige Freizeitaktivitäten gibt.  Um sieben Uhr holt mich jeweils mein Fahrer mit einem gepanzerten Fahrzeug ab und fährt mich in mein Büro in einem grossen Uno-Komplex. Ausländische Mitarbeiter dürfen aus Sicherheitsgründen nicht selber fahren. Ich leite ein Team von mehreren Hundert Mitarbeitern. Gemeinsam mit unseren Partnern in den afghanischen Behörden und zivilgesellschaftlichen Organisationen bestimmen wir, was die prioritären Aufgaben für Lokalverwaltungen sind, und legen fest, in welchen Bereichen eine Zusammenarbeit möglich ist. Üblicherweise besteht mein Arbeitstag aus einer Mischung von technischer Beratung und Managementaufgaben. Abends nütze ich die Sportanlagen auf dem Uno-Gelände. Auf dem Heimweg stoppe ich öfters noch bei einer Botschaft, einer NGO oder einer Behörde, um Fragen der lokalen Verwaltung zu besprechen.

Sie reisen viel im Land herum. Wie schwierig ist das ausserhalb Kabuls?

Zu meinen Aufgaben gehört die Steuerung und Überwachung der Lokalverwaltungen und der Entwicklung in den afghanischen Provinzen, sodass ich mehr vom Land zu sehen bekomme als die meisten Menschen, Afghanen eingeschlossen. Seit meiner Ankunft vor elf Monaten habe ich 22 der 34 Provinzen besucht. Ausserhalb Kabuls ist die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt und viele Strassen sind wegen Taliban- Angriffen unsicher. Mehrere Orte konnte ich zwar in einem von der afghanischen Polizei begleiteten Fahrzeugkonvoi besuchen. Einige Gegenden sind aber nur mit kleinen Uno-Flugzeugen erreichbar. Für jede Reise brauche ich die Erlaubnis des UNDP-Sicherheitsteams, das mit den Sicherheitsbehörden in den Provinzen in Kontakt steht. Wenn ich mich mit Provinzgouverneuren treffe, werde ich immer von Sicherheitskräften begleitet.

Das Hauptziel des ASGP ist es, die staatliche Verwaltung auf Provinz-, Distrikt- und Gemeindeebene zu stärken. Wo liegen die Schwierigkeiten?

Es gibt zwei grosse Hindernisse. Das eine ist der Mangel an Knowhow, um etwas zu planen und umzusetzen. Das UNDP konzentriert sich deshalb auf die Kapazitätsentwicklung auf individueller, organisatorischer und gesellschaftlicher Ebene. Die Schulung von Beamten in Bereichen wie Finanzplanung oder Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen des ASGP ist ein wichtiges Beispiel für die Kapazitätsentwicklung zur erfolgreichen Umsetzung staatlicher Aufgaben.

Was ist das zweite Hindernis?

Die traditionell zentralisierte Regierungsführung. Ob zur Zeit der Monarchie, während der Herrschaft der Kommunisten und der Taliban oder jetzt unter Präsident Hamid Karsai: Die gesamte staatliche Verwaltung ist in Kabul konzentriert. Die Vorstellung, dass Entscheidungen lokal gefällt werden könnten, ist in Afghanistan völlig unbekannt. Das versuchen wir zu ändern. Die Menschen vor Ort sollten über Schulen, Bewässerung, Finanzplanung etc. entscheiden können. Dies würde das Vertrauen der Bevölkerung in die lokalen Beamten und die staatlichen Institutionen vor Ort stärken, was wiederum den Fortschritt beschleunigte. Funktionierende Lokalverwaltungen sind ein Schlüsselfaktor, um Frieden in Afghanistan zu schaffen.

Das ASGP setzt sich dafür ein, dass die Büros der Provinzgouverneure leistungsfähiger werden. Wie sieht das konkret aus?

Die Büros der 34 Provinzgouverneure spielen eine wichtige Rolle bei der Verwaltung und Entwicklung Afghanistans. Sie koordinieren beispielsweise die lokalen Ministerien, fördern öffentliche Dienstleistungen und entwickeln Programme, um die wichtigsten Bedürfnisse der Öffentlichkeit zu erfassen. Das ASGP unterstützt afghanische Fachleute, die dafür sorgen, dass diese Büros ihre Aufgaben erfüllen können, und die als Mentoren ihre Kenntnisse an die anderen Mitarbeiter weitergeben. Daneben setzen wir ausländische Experten mit Erfahrung in anderen Krisenländern wie dem Sudan oder dem Kongo ein, welche die lokalen Mitarbeiter schulen und überwachen. Schliesslich organisieren wir auch Schulungen in den Büros der Provinzgouverneure oder in anderen Foren unter Einbezug der Zivilgesellschaft.

Das ASGP unterstützt auch sogenannte Provinzräte. Was ist deren Aufgabe?

Die Mitglieder der Provinzräte sind die einzigen demokratisch gewählten Beamten unterhalb der nationalen Ebene, während alle Gouverneure und Bürgermeister ernannt werden. Die Zusammenarbeit mit Provinzräten ist deshalb ein Schwerpunkt des ASGP. Die Aufgabe der Provinzräte ist es, sich für die Anliegen der lokalen Bevölkerung einzusetzen und die Bereitstellung der wesentlichen öffentlichen Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohnungsbau und Gerichtsbarkeit zu überwachen. Sie erstatten direkt dem Büro des ersten Vizepräsidenten in Kabul Bericht. Da die Provinzräte für ihre Tätigkeit von der Regierung keine Mittel erhalten, werden sie von uns mit Schulungen, aber auch personell und inanziell unterstützt.

Gehören diesen Provinzräten auch Frauen an?

Frauen müssen von Gesetzes wegen in den Provinzräten vertreten sein. Von den 14 Mitgliedern sind üblicherweise drei bis fünf Frauen. Wir versuchen, durch Schulungen die weiblichen Mitglieder gezielt zu fördern. In den Provinzräten ist die Mitwirkung von Frauen zwar allgemein akzeptiert. Die Vorsitzenden sind jedoch allesamt Männer. Frauenförderung in Afghanistan ist eine grosse Herausforderung. Es gibt nur gerade eine Provinzgouverneurin. Alle anderen Gouverneure und sämtliche Bürgermeister sind Männer.

Sollte die internationale Gemeinschaft ihre Bemühungen für den Wiederaufbau Afghanistans verstärken?

Unbedingt. Die USA, Deutschland, Italien, Spanien, Australien, Neuseeland und andere Staaten haben im Rahmen ihres Militäreinsatzes in Afghanistan sogenannte Provincial Reconstruction Teams (PRT) unterhalten, die mit dem Wiederaufbau und dem Schutz der Infrastruktur beauftragt wurden. Mit dem geplanten Rückzug vieler Länder wird sich auch die Präsenz der PRT verringern. Um die drohende Lücke zu schliessen, sind zusätzliche Anstrengungen von Seiten der Uno, der Weltbank, der Asia Foundation und anderen Organisationen dringend notwendig. Umso mehr wissen wir die Schweizer Hilfe zu schätzen. Seit Ende 2009 unterstützt die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit das ASGP und hat dafür vier Millionen Franken zur Verfügung gestellt.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Droht Afghanistan nach dem Abzug der Nato-Truppen Ende 2014 wieder im Chaos zu versinken?

Viele Afghanen blicken mit grosser Sorge auf das Jahr 2014. Sie befürchten, dass der Abzug erneut zu einem Bürgerkrieg führen könnte, vergleichbar jenem nach dem Rückzug der Sowjettruppen, der vielen als schlimmste Periode der jüngeren Geschichte gilt. Die Bevölkerung hofft, dass die afghanischen Sicherheitskräfte – 350 000 Soldaten und 130 000 Polizisten – in der Lage sein werden, die Sicherheit zu gewährleisten.

Sie waren Minister in der neuseeländischen Regierung. Was hat Sie dazu veranlasst, nach Afghanistan zu gehen?

Nachdem meine Partei 2008 die Wahlen verloren hatte, wollte ich mein Engagement in den Bereichen lokale Regierungsführung und internationale Beziehungen fortsetzen. Als Minister war ich unter anderem zuständig für die Lokalverwaltungen. Im Parlament gehörte ich dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten an und war als Wahlbeobachter in Übersee. Ich hatte das Glück, für die Uno nach Afghanistan gehen zu können, und ich empinde meine Arbeit als extrem faszinierend und sehr befriedigend.

Sie waren der erste neuseeländische Parlamentarier, der mit seinem Lebenspartner eine eingetragene Partnerschaft einging. Wie ist es für Sie, in einer Gesellschaft zu leben, die Homosexualität ablehnt?

Ich bin als technischer Berater und Projektleiter nach Afghanistan gekommen und ich kann meine kulturellen Werte der afghanischen Gesellschaft nicht aufdrängen. Persönliches wird in Afghanistan nicht in der Öffentlichkeit diskutiert und so war meine Homosexualität bisher kein Thema. Wie meine afghanischen Kollegen und Freunde konzentriere ich mich darauf, die Lokalverwaltungen leistungsfähiger zu machen.

ZUR PERSON

Der 1952 in Auckland geborene Chris Carter studierte an der Universität Auckland Geschichte. Bevor er in die Politik ging, ar bei te te er als Lehrer und Gelügelfarmer. 1993 wurde er erstmals ins Parlament gewählt. Zwischen 2002 und 2008 war er Minister in der Labour- Regierung von Premierministerin Helen Clark. Er engagiert sich seit Jahren für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und war der erste Minister in Neuseeland, der mit seinem Lebenspartner eine eingetragene Partnerschaft einging. Nach seiner Berufung durch das Uno-Entwicklungsprogramm zum Leiter und technischen Chefberater des Afghanistan Sub-National Governance Programme (ASGP) in Kabul legte Carter sein Parlamentsmandat im September 2011 nieder. (phh)

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The Afghanistan Subnational Governance Programme (UNDP). Responsive Provinces. Sustainable Municipalities. Empowered Local Governance.

 

Salaam Aluykum

Since September 2011 and my appointment as Chief Technical Advisor, I have accelerated ASGP’s work in subnational governance, in accordance with the Afghanistan National Development Strategy and UNDP policy, including the internal strategic review of UNDP Afghanistan in December 2011. That review affirmed that ASGP is ‘directly linked and vital for the [2014] transition’ because ‘a stronger emphasis at the provincial level’ would ‘help balance a capital-centralized development model’. The review also described ASGP as a ‘strong platform for promoting strong governance at the subnational levels’ and affirmed the programme’s provincial approach.

ASGP’s relations with our central government partner the Independent Directorate for Local Governance are warm and constructive. In consultation with IDLG I have approved a comprehensive human resources plan for ASGP that I am confident will deliver an ambitious work plan for ASGP in 2012.

All stakeholders and donors welcome these positive changes. ASGP’s professional relationships with our partners in the European Union, Switzerland, Australia, and Italy are fundamental to the success of our programme, and I am pleased to welcome Japan as an additional partner. I am also satisfied that dialogue with several other donors not currently funding ASGP will advance our shared desire for the effective subnational governance so crucial to the enduring peace, stability and development of the Afghan people.

Globally, the UNDP builds Empowered Lives and Resilient Nations. In turn, Afghanistan’s subnational governance programme builds Responsive Provinces, Sustainable Municipalities, and Empowered Local Governance.

This booklet highlights ASGP’s work in terms of our overall objective of subnational governance and development and four specific outputs:

  1. National systems, procedures and legal frameworks to implement, coordinate and monitor sub-national governance policy are in place.
  2. Provincial and district governors’ offices have the capacity to manage provincial and district governance, development and security strategies in accordance with the Afghanistan National Development Strategy by 2014.
  3. Provincial and district councils have the improved capacity to represent citizen interests and monitor subnational governance and development by 2014.
  4. Democratically elected municipal administrations are collecting revenues and delivering basic services under an improved organizational framework by 2014.

Our annual report contains more detailed information. I welcome your comments on this publication and on any aspect of the Afghanistan Subnational Governance Programme.

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Christopher Carter

Chief Technical Advisor
Afghanistan Subnational Governance Programme

United Nations Development Programme
UNOCA Compound , Afghanistan
Email: E-mail: christopher.carter@undp.org
Office: +93 (0) 20 212 4810

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Last Message to Te Atatu Constituents

This will be my last message to local residents as your Member of Parliament. I have been appointed to a senior position at the United Nations and have been posted to the large UN mission working in Afghanistan. This means I must resign as your elected Member of Parliament for Te Atatu. I want to take this opportunity provided by our local newspaper to thank readers for the support I have received in six elections in west Auckland. It has been an honour and a privilege to have served as your local MP.

I was appointed to my United Nations job some months ago but I did not want to put the country to the $million plus expense of a by-election in the Te Atatu electorate. I was also keen to keep my local Henderson office open as long as possible to assist with constituent cases or issues. I delayed my departure as long as possible but in the end the UN needed me in Kabul by the end of this month. Parliament will fund my local office at 300 Great North Road, Henderson, to remain open until the end of October. My staff will still be able to help with any relevant issues you may have until that time.

I will miss the schools, sports clubs, churches, businesses and people that I have built strong relationships with over the last 20 years as your local MP. The local was always the part of the job I loved the best. My majority at the last election was the highest of any Labour MP in west Auckland. That personal support was earned I hope by working hard and never taking your support for granted. I can truthfully say there is not a house in my electorate, a letterbox or even probably a dog I don’t know personally!

I had a fantastic political career. I served as a cabinet minister for six years, ending up as the 7th ranked Minster in Helen Clark’s Government responsible for Education. Other jobs included being Minister of Local Government, Minister of Ethnic Affairs, Minister of Building Issues, Minister of Conservation (my favourite job) and Minister of Housing. To have had the privilege of serving in those important positions was only possible through the votes of my constituents. I will never forget that trust and support that local people gave me.

I thank you again and wish all of you the very best for the future. It has been a privilege and honour serving as the Member of Parliament for Te Atatu.

Hon Chris Carter MP

Te Atatu Electorate Office
300 Great South Road, Henderson 0612
PO Box 21 983, Henderson, Auckland 0650
Tel: 09 835 0915, Fax: 09 835 0945
E: chris.carter@parliament.govt.nz

 

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First day on the job (United Nations, Afghanistan)

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